Vom Gendermainstream und Genderwahnsinn

wenn wir uns die Mühe machen und Genderwahnsinn googeln, bekommen wir um die 36.000 Treffer. Manches kommt aus der rechten politischen Ecke, manchen aus Medien und vieles lässt sich nicht eindeutig zuordnen.

In Die Welt ist folgendes zu lesen:

  • "Einmal habe ich mich mit einer Feministin unterhalten, die meinte, dass die soziale Ungerechtigkeit der Geschlechter nur überwunden werden könne, wenn man auch das biologische Geschlecht überwinde und als Soziologe in der Pflicht stehe, auch die Robotik mitzudenken. Denn irgendwann, sagte sie dann, irgendwann gäbe es nur noch Menschmaschinen, die weder Mann noch Frau seien – und sie meinte das vollkommen ernst."

Im Focus lesen wir dazu:

  • "Türöffna, m@n, Studirx - die Vorschläge der Arbeitsgruppe für ʺFeministisch Sprachhandelnʺ der Berliner Humboldt-Universität sorgen für Empörung und Häme. Experten bleiben gelassen: Die deutsche Sprache wird auch diese Attacke politischer Korrektheit überstehen."

Das in dem Focus Artikel über Transsexualität mal wieder vollkommener Unsinn verbreitet wurde, übersehen wir mal freundlichst. "Gleiches gilt für Schreibweisen wie Student_innen. Diese Variante soll auch Menschen mit einbeziehen, die sich weder als Mann noch als Frau fühlen, beispielsweise Transsexuelle."  Menschen mit Transsexualität sind Frauen bzw Männer, wozu also diese Aussage?

Für mich steht Gender Wahnsinn für die völlig falsche und übertriebene Auslegung des Gender Mainstream und ich glaube so sollte man es auch sehen. Gerne möchte ich aber auf die Hintergründe etwas genauer eingehen, und dies natürlich unter besonderer Beachtung unseres Themas Transsexualität.

Bereits 1979 wurde der Gender Mainstream als Richtlinie aller EU-Staaten ernannt, in der UN ist das Thema schon seit 1985 im Gespräch. In Deutschland wurde der Gender-Mainstream 2000 verbindlich vorgeschrieben. Seither ist man bemüht alle Maßnahmen unter dem Gesichtspunkt der Gleichstellung von Männern und Frauen zu gestalten. Leider wird dieser eigentlich postitive Impuls jedoch in einer Art vollkommen falsch verstanden, indem man Geschlechter gleich macht und behauptet, dass Geschlechterunterschiede ohnehin nur sozial konstruiert seien.

Daraus folgt dann auch, dass es Transsexualität, in der Art wie wir sie verstehen, nicht geben könne, da Geschlecht ja nicht existiere. Ein pränatal angelegtes Geschlecht, wie es bei der Transsexualität von vielen damit befassten Wissenschaftlern vermutet wird, darf es nicht geben, da dies ja dann doch einen naturgegebenen Unterschied zwischen den Geschlechtern verfestigen würde.

Auch darf Heterosexualität nicht naturgegeben sein, ebenfalls aus den gleichen Grund. So kann ein eigentlich positiver Ansatz, die Gleichberechtigung der Geschlechter, zum negativen verkehrt werden, zu einer Gleichmachen der Geschlechter.

In Ihrem Buch "Unbehagen der Geschlechter" (1990) konstruiert Judth Buttler die These, das männlich und weiblich als ein Produkt von Sprechakten verstanden werden müsse. Die  Queer-Therorie, die Anfang der 90er entstand, geht ebenfalls davon aus, dass Geschlecht und sexuelle Orientierung soziale Konstrukte seien. Zu den wichtigen Vordenkern gehören unter anderem auch Michel Foucault, auf den sich Juditht Buttler ebenfalls beruft.

Es ist jedoch höchst unwahrscheinlich, dass sich Geschlechter nicht unterscheiden. Wenn man auf die Epigenetik schaut, stellt man fest, dass die Auswirkungen bestimmter Lebensbedingungen, zum Beispiel Ernährung oder Stress, noch Jahre später im Verhalten der Nachkommen zu erkennen sind. In der Apothekenumschau ist ein leicht verständlicher Artikel zu dem Thema:

  • "Wie Traumata die nächsten Generationen prägen Durchlittene Entbehrungen, Misshandlungen, aber auch Zeiten des Überflusses prägen nicht nur einen Menschen. Solche Erfahrungen können auch über Generationen weitergegeben werden. Dass dieser Mechanismus tatsächlich funktioniert, konnte der Wissenschaftler Brian Dias von der Emory Universität in Atlanta/USA nachweisen. Er ließ männliche Ratten eine spezielle Chemikalie riechen und verabreichte ihnen gleichzeitig jedesmal einen leichten Stromstoß. Die Ratten reagierten voller Angst, wenn sie nur die Chemikalie rochen. Später bekamen sie Nachwuchs. Diesen jagte der Geruch der Chemikalie Angst ein und selbst die Enkel fürchteten sich."

 Evolutions-Psychologin Prof. Anne Campbel sagt in dem Video Norwegische Gleichstellungsparadoxon

  •  "Entscheidend ist, wie viel Nachkommen man hat. Alle Eigenschaften, die diese Zahl erhöhen, bleiben im Gen-Bestand. Das ist der Punkt bei der Selektion bei den Eigenschaften von Männern wie Frauen. Wenn Frauen diejenigen sind die gebären, stillen und aufziehen, dann wäre es sehr erstaunlich wenn es keine psychische Hilfe gäbe die Frauen dabei helfen, ihre Aufgabe zu erfüllen. und diese Aufgabe besonders erfreulich für Frauen machen. Dinge also wie Empathie oder das Bemühen, gefährliche Konfrontation zu vermeiden bei denen man geschädigt oder verletzt werden könnte. Oder zu vermeiden, aus einer Gruppe ausgeschlossen zu werden. All das sind gute Dinge, all das hilft beim Überleben, Fortpflanzen und dabei Kinder zu hinterlassen die sich ebenfalls fortpflanzen."

Warum nun aber diese Theorie zur Gleichheit der Geschlechter. Werfen wir mal einen Blick zurück in der Geschichte und wenden uns dem Motto der französischen Revolution 1789 bis 1799 zu. Liberté, Égalité, Fraternité wird gerne mit Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit übersetzt. Nur ist das in diesem Zusammenhabng richtig? Diese Frage darf durchaus gestellt werden denn  Égalité steht gleichermaßen für Gleichstellung, Gleichheit, Gleichbereichtigung. Eine Gleichheit kann es nicht geben, denn dann müssten alle die gleichen Krankheiten und Geburtsfehler haben, also kann es nur um Gleichstellung und Gleichberechtigung gehen.

Frauen und Männer sind nicht gleich, sie werden es auch niemals werden aber sie sind gleichwertig, dafür lohnt es sich einzusetzen. Insofern muss Gendermainstream anders verstanden werden, denn es geht um die Gleichwertigkeit, um gleiche Rechte und Gleichstellung der Geschlechter, nicht um ein Gleichmachen.

Genauso verhält es sich bei der geschlechtlichen Problematik. Transsexualität ist ein Körperproblem. Menschen werden mit gegengeschlechtlichen Körpermerkmalen geboren, Frauen mit vermännlichten und Männer mit verweiblichten  Körpermerkmalen. Bei Transgender, Bigender usw. ist geht es um eine abweichende Geschlechtsidentität, es geht um psychosoziale Geschlechtsmerkmale, die durchaus angeboren sein können. Beides ist nicht gleich aber Menschen sind gleichwertig und gleichberechtigt, im Sinne von Liberté, Égalité, Fraternité.

Autor: Lotty Maria Wergin - 30.Juli 2016

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